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Freitag, 14. Oktober 2016

Die Europäische Bürgerinitiative "Stop Vivisection" und die Überarbeitung der Direktive 2010/63 EU


Deutsche Übersetzung des Artikels von Andre Menache:
The European Citizens’ Stop Vivisection Initiative and the Revision of Directive 2010/63/EU


YATLA 44, 383–390, 2016
Comment

Antidote Europe, Perpignan, France

Key words: animal experiments, Directive 2010/63/EU revision, European Citizens’ Initiative.

Address for correspondence: andre.menache@gmail.com


Zusammenfassung - Tierversuche sind für die Öffentlichkeit als fortdauernde Debatte gegenwärtig mit auf der einen Seite forschenden Wissenschaftlern und der Tierschutzbewegung auf der anderen Seite.
Die Gelegenheit, gegen Tierversuche vorzugehen, präsentierte sich in der Form einer Europäischen Bürgerinitiative, "Stop Vivisection" und der Richtlinie 2010/63 / EU des Europäischen Parlaments und des Rates über den Schutz von Tieren für wissenschaftliche Zwecke. Das Manifest der Initiative forderte von der Europäischen Kommission, diese bestehende Richtlinie zu ersetzen, mit einem neuen Anlauf die Tierversuche abzuschaffen und stattdessen die obligatorische Verwendung von Humandaten als prädiktive Modalität für die Untersuchung von Krankheiten des Menschen und Antworten auf Arzneimittel.
Obwohl es der Initiative gelungen ist, die erforderlichen eine Million Unterschriften zu beschaffen, lehnte die Europäische Kommission schließlich den Vorschlag ab. Allerdings können einige der Lehren aus der Initiative relevant sein, für eine Überarbeitung der Direktive 210/63 EU die 2017 stattfinden wird.

Einführung

Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) ist ein Instrument der Europäischen Union zur teilnehmenden Demokratie, eingeführt durch den Vertrag von Lissabon, mit dem Hauptziel dem Bürger die Teilnahme an der Entwicklung der EU Politik zu ermöglichen. (1) Um sich zu qualifizieren, muss eine EBI die Unterstützung von einer Million EU-Bürger erhalten, die mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten angehören. (2)
Zwischen April 2012 und Juni 2015 wurden insgesamt 51 EBIs offiziell der Europäischen Kommission vorgelegt und 31 davon registriert , aber nur dreien davon ist es gelungen im Parlament angehört zu werden. (3)
Eine von ihnen, die Bürgerinitiative "Stop Vivisection" mit 1.773. 131 validierten, registrierten Unterschriften, wurde am 3. März 2015 bei der EU eingereicht und anschließend im Europäischen Parlament am 11. Mai 2015 angehört.
Das Manifest der Bürgerinitiative "Stop-Vivisection" besagte, dass (4): In Anbetracht klarer ethischer Einwände gegen Tierversuche und solide wissenschaftliche Prinzipien, die das "Tiermodell" ungültig macht für die Vorhersage am Menschen, fordern wir die Europäische Kommission auf, die Richtlinie 2010/63 / EU zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere außer Kraft zu setzen und einen neuen Vorschlag zu präsentieren, die Tierversuche abzuschaffen und stattdessen - in der biomedizinischen und toxikologischen Forschung - die obligatorischen Verwendung von Daten, die direkt relevant für die menschliche Spezies, sind zu verordnen. Die Gesetzgebung in dem genannten Manifest, das heißt, die Richtlinie 2010/63 / EU des Europäischen Parlaments und des Rates über den Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere (5), wurde am 22. September 2010 lt. der Webseite der Europäischen Kommission angenommen (6) Die Richtlinie basiert auf dem Prinzip der Drei Rs, die Verwendung von Tieren für wissenschaftliche Zwecke zu ersetzen, zu reduzieren und zu verfeinern. Der Umfang ist jetzt breiter und umfasst auch Föten von Säugetierarten in ihrem letzten Trimester der Entwicklung und Kopffüßer, sowie die Verwendung von Tieren im Sinne der Grundlagenforschung, Hochschulbildung und Ausbildung. Sie legt Mindeststandards für die Unterbringung und Pflege fest und regelt die Verwendung von Tieren durch ein systematisches Auswertungsprojekt , das unter anderem die Beurteilung von Schmerzen, Leiden, Ängste und dauerhafte Schäden bei den Tieren verursacht. Es erfordert eine regelmäßige risikobasierte Kontrolle und verbessert die Transparenz, durch Maßnahmen wie die Veröffentlichung der nichttechnischen Projektzusammenfassungen und eine rückwirkende Bewertung.
Die Entwicklung, Validierung und Umsetzung alternativer Methoden wird durch Maßnahmen wie die Einrichtung eines Referenzlaboratoriums für die Validierung alternativer Methoden gefördert, unterstützt von Laboratorien in den Mitgliedstaaten und die Mitgliedstaaten sollen dazu alternative Methoden auf nationaler Ebene fördern.
Der vorliegende Kommentar wird zwei Fragen überprüfen:
a) die Untermauerung der Strategie der EBI und b) wie die EBI sich auf die Richtlinie 2010/63 / EU auswirken könnte und deren Überprüfung in 2017.
Die Untermauerung der Strategie der EBI Stop Vivisection

Es war die Untermauerungsstrategie der "Stop Vivisection EBI", die Verwendung von Tiermodellen, im Lichte der evidenzbasierten Wissenschaft und wissenschaftlicher Theorie zu überprüfen. Die Verwendung von Tiermodellen ist das aktuelle Paradigma in der biomedizinischen Forschung (7-10). Tierversuche werden der Öffentlichkeit als eine laufende Debatte zwischen Forschern und der Tierschutzgemeinschaft präsentiert oder alternativ als eine Kosten-Nutzen-Rechnung, wo das Leiden der Tiere gegen den medizinischen Nutzen für Menschen aufgerechnet wird. Beide Ansätze sind problematisch, da das Format der Debatte grundsätzlich asymmetrisch ist. Im ersten Ansatz neigen die Forscher dazu, in Bezug auf den medizinischen Fortschritt zu argumentieren, während Tierschutzgruppen in Bezug auf das Leiden der Tiere argumentieren. Im letzteren Ansatz kann man nicht das Leiden der Tiere und den potenziellen Nutzen für den Menschen mit der gleichen Währung messen. Das Schaden-Nutzen Analyseverfahren bleibt ein "Vergleich zwischen Äpfeln und Orangen", aber Verbesserungen im ethischen Beurteilungsverfahren, wurden als Weg in die Zukunft vorgeschlagen.
(11) Zum Beispiel würde die Aufnahme von Personen mit Fachwissen in tierfreier Forschung in den Überprüfungs-Prozess gerechtere Wettbewerbsbedingungen herstellen als das derzeitige System (12).

Die Gesellschaft hat jedoch das Leiden der Tiere deshalb akzeptiert, weil sie annimmt, dass es zu einem erheblichen Nutzen für die Menschheit führen wird. In den Worten von Giles (13):
In der umstrittenen Welt der Tierforschung ist es eine Frage der Zeit und eine Frage, wie nützlich sind Tierversuche, als eine Möglichkeit für Studien von medizinischen Behandlungen beim Menschen?
Das Thema ist von entscheidender Bedeutung, weil die öffentliche Meinung nur hinter der Tierforschung steht, wenn sie von entscheidender Bedeutung dafür ist, bessere Medikamente für Menschen zu entwickeln. Folglich beharren Wissenschaftler darauf, das Tierversuche für sichere klinische Prozesse notwendig sind, während Tierschutzaktivisten vehement behaupten,, dass sie nutzlos sind.

Die Tiere werden in der Wissenschaft auch in einer Weise verwendet, die mit ihrer Verwendung als vorrausagende Modelle nichts gemeinsam haben. Beispiele umfassen die Verwendung von tierischen Herzklappen oder die Bereitstellung von Tieren als Bioreaktoren um monoklonale Antikörper zu produzieren, wofür das es schon einen gültigen und alternativen Ersatz gibt (menschliche Herzklappen und so genanntes Phage-Display).
Bedeutungsmäßig gibt es jedoch keine Alternative zu einem Prozess der unwirksam ist.
Ein Paradigma, das nicht wirksam oder funktional ist, sollte aufgegeben werden und sollte nicht allein wegen der Tradition weiterverfolgt werden. Die Miasma Theorie der Krankheiten wurde aufgegeben, als es noch den Aderlass gab, trotz der Tatsache, dass der Aderlass Krankheiten heilte für die wir heute noch keine Heilung haben.
Daher liegt der Schwerpunkt der "Stop-Vivisection" EBI auf der Notwendigkeit für die prädiktive Modellierung auf der Basis menschlicher Daten. Obwohl die Richtlinie 2010/63 / EU in erster Linie besorgt ist, die drei RS anzuwenden (Replacement, Reduction, Refinement), sei darauf hingewiesen, dass die Richtlinie eindeutig die Verwendung von Tieren als Modelle für die Prüfung von Produkten anerkennt, die für Menschen bestimmt sind. Genauer gesagt, Absatz 3 der Richtlinie verweist auf die Direktive 1999/575 / EG Abschluss des Europäischen Übereinkommens zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Wirbeltiere durch die Gemeinschaft (14).
In der Direktive 1999/575 / EG heißt es u.a.: Die Bestimmungen der genannten Richtlinie und des Übereinkommens, die die Bedingungen der Produktion und das Inverkehrbringen von Produkten und Substanzen auf den Markt beeinflussen, beinhaltet Tierexperimente. Es ist daher angebracht diese Bestimmungen die zur Errichtung und des Funktionierens des Binnenmarktes dienen, in Augenschein zu nehmen, denn deren Abschluss bildet eines der wichtigsten Ziele der Gemeinschaft. (15).
Richtlinie 2010/63 / EU ist die übergeordnete Gesetzgebung für den Schutz von Tieren, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden, während die spezifische Gesetzgebung sich auf verschiedene Sektoren erstreckt, in denen Tiere als Testobjekte verwendet werden (zum Beispiel in der der Biozid-Produkte-Verordnung 528/2012 / EU, die REACH Verordnung 1907/2006 / EG und die Richtlinie 2003/63 / EG für Medizinprodukte zur Anwendung beim Menschen ).

Paragraph 4.2.2 der Richtlinie 2003/63 / EG, über Medizinprodukte für den menschlichen Gebrauch besagt: Das pharmakokinetische Programm wird den Vergleich und die Extrapolation (Hochrechnung) zwischen Tier und Mensch ermöglichen.
Ziffer 4.2.3 bezieht sich auf die Einzeldosis und die Toxizität bei wiederholter Verabreichung.
In der Kategorie der Reproduktionstoxizität wird auf die Verwendung von zwei Tierarten abgezielt:
Die Embryo / fetale Toxizität wird normalerweise an zwei Säugetierarten durchgeführt , von denen eine ein Nagetier sein sollte (16).
Daher war die Gesamtstrategie der " Stop-Vivisection" EBI, diese Theorie in Frage zu stellen, die der Richtlinie 2010/63 / EU anhaftete - dass das Ergebnis der Verwendung von Tiermodellen als Mittel zur Vorhersage bezüglich Arzneimitteln, Industriechemikalien und Krankheiten für den Menschen gelten würde. Die aktuelle Verwendung von Tiermodellen, ist auf der Vorstellung gegründet, dass eine Spezies einen prädiktiven Wert für eine andere hat. Diese Annahme stammt aus dem 19. Jahrhundert, als Spezies auf der Ebene der biologischen Organisation untersucht wurden, ähnlich der Gross-Morphologie (17).
Derzeit werden verschiedene Tiermodelle verwendet, um festzustellen, wie sich eine Störung, wie ein Arzneimittel oder eine Krankheit des Menschen auf höheren Organisationsebenen auswirkt. Greek et al. Ausführlich.. (18-28).

Es ist seit langem bekannt, dass die Mechanismen der Toxizität zwischen den Spezies häufig sehr unterschiedlich sind und doch bleibt der Tierversuch aus historischen Gründen der "Goldstandard". Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) und andere Aufsichtsbehörden, die den Prozess der Alternativen zu Tierversuchen bewerten, mit dem Ziel der Entwicklung von Modellen die wirklich aussagekräftig für die menschlichen Mechanismen der Toxizität und für die Begrenzung der in-vivo Toxikologie Tests (29)sind.

Die EBI hat vorgeschlagen, dass die Richtlinie mit Vorschriften ersetzt wird, die aktuellen evidenzbasierten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Tatsächlich heißt es in dem Einleitungssatz des § 39 der Richtlinie: Es ist absolut notwendig, sowohl aus moralischen, als auch aus wissenschaftlichen Gründen, sicherzustellen, dass jede Verwendung eines Tieres sorgfältig auf die wissenschaftliche oder lehrmäßige Stichhaltigkeit, die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit(Brauchbarkeit) und Relevanz des erwarteten Ergebnisses(Folge) dieses Gebrauches zu überprüfen. (5).

Am 11. Mai 2015 fand die offizielle Anhörung der "Stop-Vivisection" EBI im Europäischen Parlament in Brüssel statt. Vorträge wurden von drei Vertretern der EBI gehalten: Gianni Tamino, Professor für Biologie und Bioethik an der Universität Padua, Italien; Claude Reiss, Physiker und Zellbiologe und Präsident einer Non-Profit-NGO (Antidote Europe); und Andre Menache, Tierarzt und Direktor von Antidote Europe (30). Zusätzlich zu den Vorträgen, wurde der EU ein 107-seitiges Dossier vorgelegt. (31).
Das Dossier enthielt 10 Vorschläge, um Tierversuche allmählich einzustellen und die Anwendung validierter tierfreier Verfahren zu beschleunigen.
Die EBI forderte auch die Validierung der Verwendung von Tiermodell um menschliche Reaktionen in Bezug auf Arzneimitteltests und als Krankheitsmodelle vorhersagen. Schließlich hat das Dossier den Einfluss auf die öffentliche Gesundheit und die Umwelt der EU Verfahrensweisen untersucht, die auf der Grundlage von Sicherheitsdaten durch Tierversuche geführt werden (zum Beispiel der Biozid-Produkte-Verordnung 528/2012 / EU, die REACH-Verordnung 1907/2006 / EG und die Richtlinie 2003/63 / EG in Bezug auf Arzneimittel für den menschlichen Gebrauch).

Die "Stop Vivisction" EBI hat ihre Argumente durch empirische Beweise, der Komplexitätstheorie und der Evolutionsbiologie abgeleitet, um die Gültigkeit(Stichhaltigkeit) des Gebrauches von Tiermodellen zu bestreiten. Empirisch können Tierdaten auf der Grundlage der Empfindlichkeit und Genauigkeit bewertet werden, besonders im Feld der Durchführungstoxikologie. (27). Sowohl in vitro als auch in vivo Daten deuten darauf hin, dass Tiere das menschliche Ergebnis und umgekehrt (vice versa) nicht voraussagen: mehrere Studien, einschließlich systematischer ezensionen(Überprüfungen), haben gezeigt, dass Tierdaten menschliche Ergebnisse nur ungefähr zur Hälfte vorausgesagt haben (32-35). Huang et al. (36) hat beobachtet, dass die menschliche in-vitro-Daten-Zelllinie nicht vorhersehbar war, im Vergleich zu Tiertoxizitätsdaten im Rahmen des Tox21 10K-Programm und durch die Verwendung des quantitativen Hochdurchsatz -Screening.

In Bezug auf die Anzahl der Tiere ist die Kategorie "biologische Untersuchungen von grundsätzlicher Natur", verantwortlich für den größten Einsatz von Tieren in der EU (46,1%; 37);
und dient dazu, für die weitere Finanzierung der Grundlagenforschung mit Tieren, erhebliche finanzielle Unterstützung zu erhalten. Zwischen 2007 und 2013 hatte das 7. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (RP7) ein Gesamtbudget von über 50.000.000.000 € (50 Milliarden) zur Verfügung (38).
Derzeit ist Horizont 2020 das größte EU-Forschungs- und Innovationsprogramm aller Zeiten, mit fast 80.000.000.000 € (80 Milliarden) zur Verfügung stehender Mittel, mehr als zuvor in den sieben Jahren 2014 bis 2020 und "verspricht mehr Durchbrüche, Entdeckungen und Welt-Premieren von großen Ideen aus dem Labor, für den Markt. (39).

Die Überarbeitung der Richtlinie 2010/63 / EU, die für 2017 geplant ist, ist eine gute Gelegenheit, die Behauptungen von (medizinischen) Durchbrüchen und Entdeckungen zu bewerten, die grundlegenden (elementaren) Tierforschungsstudien, in Bezug auf die Übertragbarkeit in klinisch nützliche Behandlungen zugeschrieben wird. Um die frühere Aussage von Giles zu paraphrasieren (13), ist die Frage entscheidend, ob die Gesellschaft Tierforschung nur toleriert, wenn sie hilft, bessere Behandlungsmethoden zu entwickeln - und doch bestehen in diesem Bereich nur wenige wissenschaftliche Überprüfungen.
Eine Übersicht, geleitet durch Contopoulos Ioannidis et al. (40), untersuchte die Translationsrate von 25.000 "vielversprechenden" veröffentlichten Artikeln zum Thema Grundlagenforschung, in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften zwischen 1979 und 1983. Crowley (41), analysierte die Ergebnisse dieser Übersicht und deutete an, dass die Übertragungsrate der Grundlagenforschung in der klinischen Anwendung sehr niedrig ist, in diesem Fall 0,004%. Ioannidis kam zu dem Schluss, dass:
Evidenzbasierte Medizin scheint nicht in die grundlegende(elementare) und vorklinische Wissenschaft eingedrungen zu sein, indessen wird Grundlagen- und Vorklinische Forschung häufig in einem klinischen und methodischen Vakuum durchgeführt.

Die niedrige Rate der Übertragung von Ergebnissen in Tiermodellen in klinische Anwendungen wird durch unser aktuelles Verständnis der Evolutions- und Systhembiologie unterstrichen. Zum Beispiel berichteten Seok u. a. (43) dass Mausmodelle sehr armselig menschliche entzündliche Krankheiten immitieren und eine nur zufällige Ähnlichkeit zwischen der genomischen Antwort von Mauszellen auf Entzündungen und ihren menschlichen Genkollegen beobachtet haben.
Mestas und Hughes (44) haben auf wichtige Artenunterschiede in den Immunsystemen von Mäusen und Menschen (45) hingewiesen, während Yue u. a. diese Artenunterschiede in Bezug auf die artenspezifische Genregulierung erklärt(45). Solche Artenunterschiede erstrecken sich auch auf den Gebrauch von nichtmenschlichen Primaten (46, 47). Außerdem hat die Existenz von Polymorphisms innerhalb der Arten (Polymorphismus = Auftreten mehrerer Genvarianten innerhalb einer Population) und nicht zuletzt in Menschen, Implikationen für die vorklinische Einschätzung von neuen Arzneimittelkandidaten.(48, 49)

Abschließend sei gesagt, obwohl sich menschliche und nichtmenschliche Säugetiersysteme konservierte Prozesse auf niedrigen Ebenen teilen mögen oder Module der biologischen Organisation (zum Beispiel Hox Gene), so sind solche Module für die Interspezies -Hochrechnung unzureichend, wenn man sie auf höheren Ebenen der Organisation, wie beispielsweise in Körpersystemen (50) untersucht . Entwickelte komplexe Systeme sind viel mehr als die Summe ihrer Teile und sind nicht auf die gleiche Art zugänglich wie es einfache Systeme sind (51). Es ist sehr gut bekannt, dass komplexe Systeme Eigenschaften entwickeln, die hervorkommen und zeigen, dass eine Hochrechnung zwischen verschiedenen Tierarten praktisch unmöglich ist. (27). Nach Koch, sind solche Systeme (beispielsweise das Säugetier-Immunsystem) charakterisiert durch "eine große Anzahl von sehr heterogenen Komponenten, wie Gene, Proteine oder Zellen." Diese Komponenten interagieren kausal, in vielfältiger Weise, in einem sehr großen Spektrum der Raumzeit , von Nanometern bis zu Metern und von Mikro - Sekunden bis Jahren "(52).

In den USA kündigte das National Institutes of Health (NIH), die größte biomedizinische Forschungseinrichtung der Welt, vor kurzem an, dass es die biomedizinische Forschung an Schimpansen" nicht mehr finanzieren wird (53). Die NIH Ankündigung kommt als Reaktion auf einen wissenschaftlichen Bericht des US Institute of Medicine (IOM), 2011 in Auftrag gegeben, in dem die IOM zugab, nicht einen einzigen Bereich zu finden, wo Schimpansen für die Erforschung von Krankheiten wesentlich sind (54).
Wenn das NIH bereit ist, das "beste Tiermodell " das zur Verfügung steht aufzugeben, welche Auswirkungen hat die Forschungsfinanzierung wo die verwendeten Tierarten evolutionär noch weiter entfernt vom Menschen sind, einschließlich anderer Primaten, Hunde, Ratten, Mäuse, Zebrabärblinge und Finken?

War die "Stop Vivisection" EBI als eine Übung in Partizipatorischer Demokratie erfolgreich?

Die Sitzung vom 11. Mai 2015 vor dem Europäischen Parlament war eine Gelegenheit für die Organisatoren der EBI, ihren Fall zu präsentieren. Die Anhörung wurde unter der Schirmherrschaft von vier parlamentarischen Ausschüssen ((Agriculture and Rural Development, AGRI; Environment, Public Health and Food Safety, ENVI; Industry, Research and Energy, ITRE; and the Committee on Petitions, PETI) organisiert. Einleitende Bemerkungen wurden von dem EU-Vizepräsident Jyrki Katainen und dem ENVI Generaldirektor Karl Falkenberg gemacht, gefolgt von drei Diskussionsrunden. Jede Runde begann mit einer Repräsentation von einem von drei Experten, ernannt von der AGRI: Ray Greek, Präsident der Americans for Medical Advancement (afma-curedisease.org); Francoise Barre-Sinoussi, Gewinnerin des Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2008, die im Namen der Europäischen Vereinigung der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (efpia.eu)sprach; und Emily McIvor von der Humane Society International (hsi.org/world/europe).
Greek und McIvor sprachen sich für die EBI aus, während Barre-Sinoussi dagegen sprach.

Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen EBI Anhörungen (Right2Water und One of Us), wurde die "Stop Vivisection" EBI Debatte, mit Sprechern für oder gegen uns organisiert. Im Endergebnis der organisierten Debatte erhielten die Organisatoren der "Stop Vivisection" EBI während der dreieinhalbstündigen Anhörung zusammen nur 34 Minuten Sprechzeit.

Das gesamte Verfahren ist auf der offiziellen Website der EU zu sehen: http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20150507IPR53142/AGRI-ENVI-ITREPETI-
11052015-15.00-18.30).

Weitere Nachteile der EBI waren rechtliche Auflagen und bürokratische Hürden. So wurden beispielsweise fast die Hälfte der vorgeschlagenen EBIs für unzulässig erklärt, auf Grund der engen rechtlichen Interpretationen, weil viele Bürger durch übermäßige Personalangaben-Voraussetzungen einiger EU Mitgliedsstaaten am Unterschreiben gehindert wurden. Ein Mangel jeglichen Einflusses auf die EU-Gesetzgebung, wie die drei ersten 'erfolgreichen' EBIs demonstriert haben, deutet auf einen Mangel an Transparenz und Verantwortlichkeit seitens der EU hin. Aufrufe nach Verbesserung haben darauf gezielt, die Registrierungsvoraussetzungen zu vereinfachen und drängt die EU, auf erfolgreiche EBIs mit konkreten Handlungen einschließlich Gesetzesvorschlägen zu antworten, sind von der funktionierenden Kampagnengruppe “For a European Citizen" vorgebracht worden” (55).
Obwohl die EU die" Stop Vivisection " EBI schließlich abgelehnt hat, darunter alle zehn Vorschläge, die in den Unterlagen enthalten waren und am 11 .Mai 2015 eingereicht wurden, erzeugte die Parlamentarische Anhörung lebhafte öffentliche Debatten, zusätzlich zu der breiten Berichterstattung in den Medien (56-63).

Michael Balls, ein ehemaliger Direktor von ECVAM hat das zur Kenntnis genommen:

Die Bürgerinitiative hebt zwei wichtige Punkte hervor: viele Tiermodelle sind nicht gültig für die Vorhersage menschlicher Reaktionen und die biomedizinische Forschung und Prüfung, braucht verzweifelt Tests, die unmittelbar für die menschliche Spezies relevant sind. (64) Die "Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals" des Europäischen Parlamentes kommentierte:
Eine EU-Strategie ist notwendig, um Innovation und die Aufnahme der humanen modernsten Methoden zu fördern.
Das sollte auch zu einer Paradigmenverschiebung beitragen, um aufzuhören auf den Gebrauch von Tieren als eine "goldene Regel" zu vertrauen und anzuerkennen, dass das Vorrücken des medizinischen Fortschritts, der Forschung und der Innovation mit Methoden möglich ist, die nicht auf Tierexperimente (65) baut.

In der am 3. Juni 2015 offiziell herausgegebenen Pressemitteilung der EU rechtfertigte Vizepräsident Jyrki Katainen die Entscheidung der Kommission, in dem er sagte: Die "Stop Vivisection" Bürgerinitiative ist in einer Zeit des Übergangs gekommen - dank großen technologischen Fortschritten, wurde in Europa die Verwendung der Tierversuche verringert. Allerdings wäre ein vollständiges Verbot von Tierversuchen in der EU verfrüht und es bestünde die Gefahr, die biomedizinische Forschung aus Europa zu vertreiben. (66).

Laut der EU ist die Richtlinie noch nicht lange genug in Kraft, um Rückschlüsse auf ihre Wirksamkeit zu ziehen. Die Kommission plant sie im Jahr 2017 zu überprüfen und die Verfügbarkeit alternativer Ansätze zu betonen. Darüber hinaus verlangt die Richtlinie einen Umsetzungsbericht im Jahr 2019. Diese Berichte werden die erste Schätzung sein, um den Erfolg der Ziele der Richtlinie zu überprüfen (66). Der Revisionsprozess (wie oben von der EG beschrieben) scheint die Dringlichkeit der Anpassung der bestehenden Rechtsvorschriften in Einklang mit der aktuellen evidenzbasierten Wissenschaft zu ignorieren. Tierbasierte Forschung ist für die wissenschaftliche Überprüfung, seit ihrer Gründung weitgehend immun geblieben; in der Tat wurden die meisten Tierversuche nie einer formellen Validierung unterzogen.
In den Worten eines ehemaligen Beamten der FDA: Die meisten der Tierversuche, die wir akzeptieren, wurden nie validiert. Sie entwickelten sich in den letzten 20 Jahren und die FDA hat es bequem mit ihnen (persönliche Mitteilung von Anita O'Connor, von der FDA "Office of Science" 1998). Darüber hinaus wurden Tierversuche nur selten Meta-Analysen und systematischen Überprüfungen unterzogen. Systematische Rezensionen(Überprüfungen) von Tierversuchen demonstrieren ein armseliges menschliches, klinisches und toxikologisches Dienstprogramm (19, 67). Es gab auch Aufrufe für einen formellen Nichtgültigkeitsprozess, weil "viele derzeit anerkannte Tierversuche und Versuchstierkandidaten- und non- animal -tests" nie den vereinbarten Kriterien für die Notwendigkeit der Testentwicklung, der Prä-Validierung, der Validierung und Akzeptanz " liefern konnten und es auch nie liefern werden (68).

Schlussfolgerung

Die Überarbeitung der Richtlinie 2010/63 / EU ist eine neue Chance, kritisch die Gültigkeit der Verwendung von Tiermodellen im Licht der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu untersuchen. Die redaktionelle Ansicht, die kürzlich im British Medical Journal veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Beitrag zur Debatte: "Wie prädiktiv und produktiv ist Tierforschung ?" (69) und "basiert die Tierforschung auf ausreichenden Beweisen, um ein Eckpfeiler der biomedizinischen Forschung zu sein?" (70). Die Überarbeitung der Richtlinie ist auch eine passende Zeit, um das Beweiskonzept und die Frage wo die Beweislast liegt, in der Wissenschaft zu diskutieren. "Wie beim Gesetz liegt es bei dem Antragsteller (Anzeigenerstatter). Die Nullhypothese verlangt, dass wir annehmen, dass es keine Verbindung zwischen den Ereignissen gibt, bis die Ursache nachgewiesen wird. Somit sind es diejenigen die behaupten, das Tiermodelle zur Vorhersage der menschlichen Reaktionen im Zusammenhang mit der biomedizinischen Forschung tauglich sind, zeigen müssen, dass das, was sie behaupten wahr ist "(28).
Die "Stop Vivisection" EBI wurde als eine Win-Win-Übung angedacht, in der das unnötige Leiden der Tiere, durch evidenzbasierte Wissenschaft zum Nutzen des Menschen, ersetzt wird.
Bei der öffentlichen Anhörung am 11. Mai 2015 wurde die Position der "Stop Vivisection" EBI so zusammengefasst: "Die größte Herausforderung für die Europäische Bürgerinitiative ist nicht die Wissenschaft, es ist die Kommunikation.
Die Idee hinter der EBI war das Niveau der Debatte vom einfachen Tierschutzgedanken auf die Frage der "Gültigkeit des Tiermodells" zu erhöhen und was wir heute getan haben, ist eine sehr oberflächliche Berührung mit der Wissenschaft.
Und worum wir die Europäische Kommission bitten möchten, ist eine wissenschaftliche, öffentliche Debatte zu organisieren, ähnlich einer Jury, ( nicht wo die Experten nur 10 Minuten Zeit haben, sondern wo wir 3 oder 4 oder 5 Tage haben) um die Fragen wissenschaftlich, mit Experten beider Seiten, zu erörtern .
Wenn wir dies nicht tun, wenn wir nicht eine ernsthafte wissenschaftliche Diskussion abhalten, lassen wir die 1,17 Millionen Menschen die die EBI unterzeichnet haben zurück, lassen wir die Tiere zurück und lassen wir Patienten zurück, die Heilung durch eine personenorientierte Medizin wollen und keine Tierversuche. (71).
Ende


Meeting mit Andre Menache und Gisela Urban in Brüssel


Bei der Verhandlung der Europäischen Bürgerinitiative "Stop Vivisection" in Brüssel. Gisela Urban und Prof. Claude Reiss, u.a..





The European Citizens’ Stop Vivisection Initiative and the Revision of Directive 2010/63/EU

Source : Comment, ATLA 44, 383–390, 2016


The European Citizens’ Stop Vivisection Initiative and the Revision of Directive 2010/63/EU

Andre Menache

Antidote Europe, Perpignan, France

Summary — Animal experimentation is presented to the public as an ongoing debate between research scientists on one hand, and the animal protection community on the other. An opportunity to break out of this mindset presented itself in the form of a European Citizens’ Initiative, Stop Vivisection, which challenged Directive 2010/63/EU of the European Parliament and of the Council on the protection of animals for scientific purposes. The manifesto of the initiative called upon the European Commission to replace the existing Directive with a new proposal that does away with animal experimentation, and instead makes compulsory the use of human data as a predictive modality for the study of human diseases and responses to drugs. Although the Initiative succeeded in gathering the required one million signatures, the European Commission ultimately rejected the proposal. However, some of the lessons learned from the Initiative may
well be relevant to the revision of Directive 2010/63/EU, due to take place by 2017.

Key words: animal experiments, Directive 2010/63/EU revision, European Citizens’ Initiative.


Address for correspondence: andre.menache@gmail.com

Introduction

The European Citizens’ Initiative (ECI) is a European Union (EU) instrument in participatory democracy, introduced with the Treaty of Lisbon in 2007, the principal aim of which is to enable ordinary
citizens to participate directly in the development of EU policies (1). In order to qualify, an ECI must obtain the support of one million EU nationals belonging to at least one quarter of the Member States (2). Between April 2012 and June 2015, a total of 51 ECIs were officially submitted to the European Commission (EC), and of the 31 that were registered, only three ECIs succeeded in being heard at the European Parliament (3). One of them, the Stop Vivisection ECI, with 1,173,131 validated registered signatures, was submitted to the EC on 3 March 2015 and was subsequently heard in the European Parliament on 11 May 2015.

The manifesto of the Stop Vivisection ECI stated that (4): Considering clear ethical objections to animal experiments and solid scientific principles that invalidate the ‘animal model’ for predicting
human response, we urge the European Commission to abrogate Directive 2010/63/EU on the protection of animals used for scientific purposes and to present a new proposal that does away with
animal experimentation and instead makes compulsory the use — in biomedical and toxicological research — of data directly relevant for the human species. The legislation mentioned in the
manifesto, i.e. Directive 2010/63/EU of the European Parliament and of the Council on the protection of animals for scientific purposes (5),was adopted on 22 September 2010. According to
the European Commission website (6), The Directive is firmly based on the principle of the Three Rs, to replace, reduce and refine the use of animals used for scientific purposes. The scope is
now wider and includes foetuses of mammalian species in their last trimester of development and cephalopods, as well as animals used for the purposes of basic research, higher education and
training. It lays down minimum standards for housing and care, regulates the use of animals through a systematic project evaluation requiring inter alia assessment of pain, suffering distress and lasting harm caused to the animals. It requires regular risk-based inspections and improves transparency through measures such as publication of non-technical project summaries and retrospective assessment.

The development, validation and implementation of alternative methods is promoted through measures such as establishment of a Union reference laboratory for the validation of alternative
methods supported by laboratories within Member States and requiring Member States to promote alternative methods at national level.


This present Comment will examine two issues:
a) the strategy underpinning the ECI; and b) how the ECI might impact on Directive 2010/63/EU,which is due for revision by 2017.

The Strategy Underpinning the Stop Vivisection ECI


The strategy underpinning the Stop Vivisection ECI was to review the use of animal models in the light of evidence-based science and scientific theory. The use of animal models is the current paradigm in biomedical research (7–10). Animal experimentation is presented to the public as an ongoing debate between research scientists and the animal protection community, or alternatively, as a cost–benefit exercise in which animal suffering must be balanced against human medical progress. Both of these approaches are problematic,because the format of the debate is inherently asymmetrical. In the former approach, research scientists tend to argue in terms of medical progress, while animal protection groups argue in terms of animal suffering. In the latter approach, one cannot measure animal suffering and potential human benefit with the same currency. The harm benefit analysis procedure remains a ‘comparison between apples and oranges’, but improvements in the ethical review process have been suggested as a way forward (11). For example, the inclusion in the review process of individuals with expert knowledge of non-animal replacements would signal a more-level playing field than the current system (12).

Society does, however, accept animal suffering on the understanding that it will result in significant benefit to humanity. In the words of Giles (13): In the contentious world of animal research,one question surfaces time and again: how useful are animal experiments as a way to prepare for trials of medical treatments in humans? The issue is crucial, as public opinion is behind animal research only if it helps develop better drugs.Consequently, scientists defending animal experiments insist they are essential for safe clinical trials, whereas animal-rights activists vehemently maintain that they are useless.

Animals are also used in science in ways that have nothing in common with their use as predictive models. Examples include the use of animals to provide heart valves or as bioreactors to produce monoclonal antibodies, to which valid alternative replacements exist (human heart valves and phage display, respectively). Semantically, however, there is no alternative to a process that is ineffective. A paradigm that is not effective or functional should be abandoned, and should not be pursued solely because of tradition. The miasma theory of disease was abandoned, as was bloodletting,despite the fact that bloodletting supposedly cured diseases for which we still have no cure. Hence, the emphasis of the Stop Vivisection ECI on the need for predictive modelling based on human data.Although Directive 2010/63/EU is concerned primarily with the application of the Three Rs (Replacement, Reduction, Refinement), it should be noted that the Directive clearly acknowledges the use of animals as models for the testing of products destined for human use. Specifically, Paragraph 3 of the Directive refers to Decision 1999/575/EC concerning the conclusion by the Community of the European Convention for the protection of vertebrate animals used for experimental and other scientific purposes (14). Decision 1999/575/EC states, inter alia: Whereas the provisions of the said Directive and Convention affect the conditions of production and placing on the market of products and substances the development of which involves the experiments referred to therein; whereas those provisions therefore contribute to the establishment and functioning of the internal market, the completion of which constitutes one of the chief objectives of the Community (15). Directive 2010/63/EU is the overarching legislation for the protection of animals used for scientific purposes, whereas specific legislation covers different sectors in which animals are used as test subjects (for example, the Biocidal Product Regulation 528/2012/EU, the REACH Regulation 1907/2006/EC, and Directive 2003/63/EC, relating to medicinal products for human use).

Paragraph 4.2.2 of Directive 2003/63/EC, relating to medicinal products for human use states, that: The pharmaco-kinetic program shall be design [sic] to allow comparison and extrapolation between animal and human. Paragraph 4.2.3 refers to single-dose and repeat-dose toxicity. In the category of reproductive toxicity, reference is made to the use of two animal species:
Embryo/foetal toxicity studies shall normally be conducted on two mammalian species, one of which shall be other than a rodent (16).
Therefore, the overall strategy of the Stop Vivisection ECI was to challenge the assumption inherent in Directive 2010/63/EU — that the use of animal models is valid as a means of predicting human outcomes with respect to pharmaceutical drugs, industrial chemicals and human diseases. The current use of animal models is founded on the notion that one species has predictive value for another. This dates back to the 19th century, when species were being studied on a level of biological organisation of similar gross morphology (17).
Currently, various animal models are used to ascertain how a perturbation, such as a drug or disease, will affect humans at higher levels of organisation. Greek et al. have ritiqued this point at length (18–28).

It has long been widely known that mechanisms for toxicity are frequently quite different between species, and yet, animal testing remains the ‘gold standard’ for historical reasons. The US Food and Drug Administration (FDA) and other regulatory agencies are in the process of evaluating alternatives to animal testing, with the aim of developing models that are truly predictive of human mechanisms of toxicity and limiting in vivo toxicology testing (29).
The ECI proposed that the Directive be replaced with legislation that reflects current evidencebased scientific knowledge. Indeed, the opening sentence of Paragraph 39 of the Directive states that: It is also essential, both on moral and scientific grounds, to ensure that each use of an animal is carefully evaluated as to the scientific or educational validity, usefulness and relevance of the expected result of that use (5).

On 11 May 2015, the official hearing of the Stop Vivisection ECI took place at the European Parliament in Brussels. Oral presentations were given by three of the representatives of the ECI: Gianni Tamino, professor of biology and bioethics at the University of Padua, Italy; Claude Reiss, physicist and cellular biologist and president of a non-profit NGO (Antidote Europe); and Andre Menache, veterinary surgeon and director of Antidote Europe (30). In addition to the oral presentations, a 107-page dossier was submitted to the EC (31). The dossier contained 10 proposals aimed at phasing out animal experiments and accelerating the application of validated nonanimal methods. The ECI also challenged the validity of the use of animal models to predict human responses with respect to drug testing and disease modelling. Finally, the dossier examined the impact on public health and the environment of EU policies that are guided and formulated on the basis of safety data generated through animal tests (for example, the Biocidal Product Regulation 528/2012/EU, the REACH Regulation 1907/2006/EC and Directive 2003/63/EC, relating to medicinal products for human use).

The Stop Vivisection ECI derived its arguments to challenge the validity of the use of animal models from empirical evidence, complexity theory and evolutionary biology. Empirically, animal data can be evaluated on the basis of sensitivity and specificity, notably in the field of regulatory toxicology (27). Both in vitro and in vivo data suggest that animals are not predictive of human outcome and vice versa: several studies, including systematic reviews, have shown that animal data predicted human outcomes only around half of the time (32–35). Huang et al. (36) observed that human in vitro cell line data were not predictive when compared to animal toxicity data within the framework of the Tox21 10K programme and by using quantitative high-throughput screening.

In terms of animal numbers, the category ‘biological studies of a fundamental nature’ is responsible for the greatest use of animals in the EU (46.1%; 37); in terms of funding, basic research involving animals continues to receive considerable financial support. Between 2007 and 2013,the 7th Framework Programme for Research and Technological Development (FP7) had a total budget of over €50 billion at its disposal (38).
Currently, Horizon 2020 is the biggest EU Research and Innovation programme ever, with nearly €80 billion of funding available over seven years (2014 to 2020) and “promises more breakthroughs, discoveries and world-firsts by taking great ideas from the lab to the market” (39).

The revision of Directive 2010/63/EU, scheduled for 2017, is a timely opportunity to evaluate the claims of breakthroughs and discoveries attributed to basic animal research studies with respect to translation into clinically useful treatments. To paraphrase the earlier statement by Giles (13), the issue is crucial, as society is behind animal research only if it helps develop better treatments — and yet, few scientific audits exist in this field. An overview conducted by Contopoulos Ioannidis et al. (40) examined the translation rate of 25,000 “highly promising” basic research articles published in leading science journals between 1979 and 1983. Crowley (41) analysed the findings of this overview and suggested that the transfer rate of basic research into clinical use is very low, in this case 0.004%. Ioannidis concluded that:
Evidence-based medicine does not seem to have penetrated basic and preclinical science, while basic and preclinical research is often performed in a clinical and methodological vacuum (42).



Evidenzbasierte Medizin scheint nicht in die grundlegende(elementare) und vorklinische Wissenschaft eingedrungen zu sein, indessen wird Grundlagen- und Vorklinische Forschung häufig in einem klinischen und methodischen Vakuum durchgeführt.The low rate of translation of findings in animal models into clinical applications is underscored by our current understanding of evolutionary and systems biology. For example, Seok et al. (43) reported that mouse models poorly mimic human inflammatory diseases, and observed a random correspondence between murine genomic responses to inflammation and their human gene counterparts. Mestas and Hughes (44) pointed to important species differences in the immune systems of mice and humans (45), while Yue et al. explained these species differences in terms of speciesspecific gene regulation (45). Such species differences also extend to the use of non-human primates (46, 47). In addition, the existence of polymorphisms within species (and not least, in humans) has implications for the preclinical evaluation of new drug candidates (48, 49).

Finally, although human and non-human mammalian systems may share conserved processes at lower levels, or modules, of biological organisation (for example, hox genes), such
modules are insufficient for inter-species extrapolation when studied at higher levels of organisation, such as body systems (50). Evolved complex systems are much more than the sum of their parts and are not amenable to reductionist methodologies in the same way that simple systems are (51). It is well known that evolved complex systems display emergent properties, making extrapolation between different animal species virtually impossible (27). According to Koch, such systems (for example, the mammalian immune system) are
“characterized by large numbers of highly heterogeneous components, be they genes, proteins, or cells. These components interact causally in myriad ways across a very large spectrum of space–time, from nanometers to meters and from micro - seconds to years” (52).

In the USA, the National Institutes of Health (NIH), the biggest biomedical research organisation in the world, recently announced that it “will no longer fund biomedical research on chimpanzees”(53). The NIH announcement comes in response to a 2011 scientific report commissioned from the US Institute of Medicine (IOM), in which the IOM could not find a single area of disease research for which chimpanzees are essential (54).
If the NIH is prepared to abandon the “best animal model” available, what are the implications of funding research that uses animal species evolutionarily more distant to humans, including other primates, dogs, rats, mice, zebrafish and finches?

Was the Stop Vivisection ECI Successful as an Exercise in Participatory Democracy?

The hearing on 11 May 2015 in the European Parliament was an opportunity for the organisers of the ECI to present their case. The hearing was organised under the auspices of four parliamentary committees (Agriculture and Rural Development, AGRI; Environment, Public Health and Food Safety, ENVI; Industry, Research and Energy, ITRE; and the Committee on Petitions, PETI). Opening remarks were made by the EC Vice-President, Jyrki Katainen, and the ENVI Director-General, Karl Falkenberg, followed by three rounds of discussions. Each round began with a presentation by one of three experts appointed by the AGRI Committee: Ray Greek, president of Americans for Medical Advancement (afma-curedisease.org); Francoise Barre-Sinoussi, winner of the 2008 Nobel Prize for physiology or medicine, who spoke on behalf of the European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (efpia.eu); and Emily McIvor of Humane Society International (hsi.org/world/ europe). Greek and McIvor spoke in favour of the ECI, while Barre-Sinoussi spoke against.

Unlike the two previous ECI hearings (Right2Water and One of Us), the Stop Vivisection ECI was organised along the lines of a debate, with speakers for and against. As a result of the debate conditions, the organisers of Stop Vivisection ECI received just 34 minutes, collectively, of speaking time during the three and a half hour hearing. The entire proceedings are available on the official EU website http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20150507IPR53142/AGRI-ENVI-ITREPETI-11052015-15.00-18.30).

Other drawbacks inherent in the ECI have included legal constraints and bureaurocratic hurdles. For example, nearly half of proposed ECIs were declared inadmissible by the Commission on the grounds of narrow legal interpretations, while many citizens were put-off signing because of excessive personal data requirements in the case of some EU Member States. A lack of any impact on EU legislation, as the three first ‘successful’ ECIs have demonstrated, suggests a lack of transparency and accountability on the part of the EC. Calls for improvement aimed at simplifying the
registration requirements and urging the EC to respond to successful ECIs with concrete actions, including legislative proposals, have been put forward by the campaign group “for a European Citizens’ Initiative that works” (55). Although the EC ultimately rejected the Stop Vivisection ECI, including all ten proposals contained in the dossier submitted on 11 May 2015, the parliamentary hearing that took place in Brussels generated much lively public and scientific debate, in addition to wide media coverage (56–63).

Michael Balls, a former director of ECVAM noted that: The Citizens’ Initiative highlights two important points: many animal models are not valid for predicting human responses, and biomedical
research and testing do desperately need procedures which are more directly relevant for the human species (64). The European Parliament’s Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals commented that: An EU strategy is necessary to promote innovation and uptake of more humane state-of-the-art methods. This should also contribute to a paradigm shift to stop relying on the
use of animals as the golden rule and recognise that advancing medical progress, research and innovation is possible with methods which do not rely on animals (65).


In the official EC press release issued on 3 June 2015, Vice-President Jyrki Katainen justified the Commission’s decision by saying that: The ‘Stop Vivisection’ Citizens’ Initiative comes at a time of transition — thanks to major technological advances, Europe is reducing the use of animal testing. However, a complete ban on animal research in the EU would be premature and it would risk chasing out biomedical research from Europe (66).

Also, according to the EC, The Directive has not been in force long enough to draw conclusions on its effectiveness. The Commission plans to review it in 2017 and will emphasise the availability of alternative approaches. In addition, the Directive requires an implementation report in 2019. These reports will be the first assessments of the extent to which the Directive is reaching its objectives (66). The revision process (as outlined above by the EC) appears to ignore the urgency of bringing existing legislation into line with current evidencebased science. Animal-based research has remained largely immune to scientific audit since its inception; indeed, most animal experiments have never undergone formal validation. In the words of a former FDA official: Most of the animal tests we accept have never been validated. They evolved over the past 20 years and the FDA is comfortable with them. (Anita O’Connor, of the FDA Office of Science, personal communication,
1998). In addition, animal tests have rarely been subjected to meta-analysis and systematic review. Of the few examples that do exist, systematic reviews of animal experiments demonstrate poor human clinical and toxicological utility (19, 67).
There have also been calls for a formal invalidation process as “many currently-accepted animal tests and candidate animal and non-animal tests do not, and could never, meet the agreed criteria for necessity, test development, prevalidation, validation and acceptance” (68).

Conclusions

The revision of Directive 2010/63/EU is a fresh opportunity to critically examine the validity of the use of animal models in light of current scientific knowledge. The editorial views expressed recently in the British Medical Journal are important contributions to the debate: “How predictive and productive is animal research?” (69), and “Is animal research sufficiently evidence based to be a cornerstone of biomedical research?” (70). The revision of the Directive is also an appropriate time to discuss the concept of proof and where the burden of proof lies in science. “As in law, it lies on the claimant. The null hypothesis demands that we assume there is no connection between events until such causation is proven. Thus, those claiming animal models are predictive of human responses in the context of biomedical research must show that what they are claiming is true”(28).

The Stop Vivisection ECI was intended as a win–win exercise, in which needless animal suffering is replaced by evidence-based science to the benefit of humans. At the public hearing on 11 May 2015, the Stop Vivisection ECI position was summed up thus: “The biggest challenge to the European Citizens’ Initiative is not science, it is communication.
The idea behind the ECI was to raise the level of the debate from simply animal welfare to the validity of the animal model, and what we’ve done today is touch very superficially on the science. And what we would like to ask the European Commission is to organize a scientific public debate similar to a public jury, not where the experts have 10 minutes, but where we have 3 or 4 or 5 days to discuss the science with experts from both sides. If we do not do this, if we do not have a serious scientific debate, we are letting down the 1.17 million people who signed the ECI, we are letting down the animals, and we are letting down patients who want cures based on personalised medicine, not animal tests.” (71).

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http://www.physoc.org/ECI(Accessed 08.03.16).
57. von Hatzfeldt, S. (2015). The European Citizens’Initiative: A democratic farce? Available at:
http://www.euractiv.com/section/eu-priorities-2020/opinion/the-european-citizens-initiative-ademocratic-farc/ (Accessed 08.03.16).
58. Robert, A. (2015). MEPs unconvinced by European Citizens’ Initiative on vivisection. Available at:
http://www.euractiv.com/section/science-policymaking/news/meps-unconvinced-by-european-citizens-initiative-on-vivisection/ (Accessed 08.03.16).
59. Anon. (2015). STOP the European Citizens’ Initiative on Vivisection. Leuven, Belgium: League of European Research Universities (LERU). Available at:
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63. Reiss, C. & Menache, A. (2015). La guerre du “modèle” animal n’aura pas lieu! Paris, France: Le Monde. Available at:
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64. Balls, M. (2015). The European Citizens’ Stop Vivisection Initiative. ATLA 43, 147–150.
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66. EC (2015). Communication from the Commission on the European Citizens’ Initiative “Stop Vivisection”, C(2015) 3773 final, 14pp. Brussels, Belgium: European Commission.
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67. Knight, A. (2007). Systematic reviews of animal experiments demonstrate poor human clinical and toxicological utility. ATLA 35, 641–659.
68. Balls, M. & Combes, R. (2005). The need for a
formal invalidation process for animal and nonanimal tests. ATLA 33, 299–308.
69. Godlee, F. (2014). How predictive and productive is animal research? British Medical Journal 348, g3719.
70. Pound, P., Bracken, M.B. & Bliss, S.D. (2014). Is animal research sufficiently evidence based to be a cornerstone of biomedical research? British Medical Journal 348, g3387.
71. European Parliament (2015). Committee on the Environment, Public Health and Food Safety Committee on Industry, Research and Energy Committee on Petitions Committee on Agriculture and
Rural Development — 11/05/2015 15.00–18.30. Available at:
http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20150507IPR53142/AGRI-ENVI-ITRE-PETI-11052015-15.00-18.30 (Accessed 08.03. 16).














































Sonntag, 6. Dezember 2015

Petitionsübergabe in Brüssel



Am 11. Mai 2015 waren wir das letzte Mal in Brüssel.

Wir wohnten der Verhandlung der neu gegründeten Europäischen Bürgerinitiative "Stop Vivisection", durch die Europäische Kommission bei.

Einen Monat zuvor, wurde unsere Petition "REACH stoppen - Tierversuche abschaffen" zum zweiten Mal vor dem Petitionsausschuss in Brüssel behandelt und leider wurde das Bürgeranliegen von "Stop Vivisection", ebenso wie unsere Petition, abgelehnt.

Man hält es in Brüssel für sinnvoller, trotz aller nachteiliger Folgen, an dem Modell einer veralteten Wissenschaft und den Tierversuchen festzuhalten und meint es reiche, dem 3 R Prinzip zu folgen. Reduzieren, Verfeinern, Ersetzen.

Der Schock über die Entscheidung der Kommission saß tief und lähmte auch uns im ersten Moment. Dann entschlossen wir uns eine neue Petition zu starten.
Im Laufe unserer Recherchen wurde uns immer klarer, das es gerade im Bereich des Chemikalienrechts nicht allein um Tierversuche geht, sondern auch darum, das man unsere gesamte Umwelt vergiftet. Es geht um die Gesundheit von Menschen und Tieren, die etwa einhunderttausend chemischen Substanzen und Verbindungen ausgesetzt sind, von denen man schon seit langem vermutet, dass sie toxisch, erbgutschädigend oder fruchtschädigend sind.

Zur Zeit ist das Thema Pestizide und besonders die Zulassung von Glyphosat in aller Munde, deshalb beschlossen wir, unsere Petition zeitnah einzureichen.



Mit 4650 Unterschriften im Gepäck, machten Gisela und ich uns frühmorgens auf, um mit dem Zug nach Brüssel zu fahren. Dort wollten wir uns mit Bettina Jung, Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei, treffen.






Am nächsten Tag sollte noch Jan Zobel, Dr. Andre Menache und Dr. Reiss zu uns stoßen.
Witzigerweise trafen wir Bettina beim Umsteigen auf dem Bahnhof in Köln. Ein unglaublicher Zufall, denn eigentlich wollte sie nach Brüssel fliegen.
Wir staunten nicht schlecht, als wir feststellten, dass sie im gleichen Zugabteil, wie wir, einen Platz reserviert und auch die Rückfahrt im gleichen Reisebus gebucht hatte.
So hatten wir viel Zeit, uns besser kennenzulernen und unser gemeinsames Vorgehen abzusprechen.



Wir waren auch gespannt, auf welche Lage wir in Brüssel stoßen würden, denn erst eine Woche zuvor, herrschte dort fast der Ausnahmezustand wegen der Terrorgefahr.
Zum Glück hatte sich dort die Lage inzwischen entspannt. Nur auf dem Bahnhof sah man vermehrt schwer bewaffnete Polizisten.


Nach der langen Fahrt zogen wir uns abends früh auf unser Zimmer zurück.


Am 3. Dezember hatten wir um 12.30 Uhr unseren Termin bei Dr. Jahr, einem Mitglied des Petitionsausschusses im Europa Parlament.

Vor dem Eingang trafen wir uns mit Jan Zobel, der ebenso wie Bettina im Bundesvorstand der Tierschutzpartei ist. Er sollte zwecks Berichterstattung für das "MUT-Magazin" der Petitionsübergabe beiwohnen.

Praktisch fünf Minuten bevor wir von Dr. Jahrs Assistentin Frau Bürgelt abgeholt wurden, traf Dr. Andre Menache mit dem Taxi ein.
Wie wir von ihm erfuhren, war Dr. Reiss aus persönlichen Gründen verhindert.

Nun begann wieder die uns schon vertraute Prozedur der Sicherheitsvorkehrungen, bevor man das Gebäude betreten durfte.
Bei mir gab es einen Alarm, weil ich eine Euromünze in der Hosentasche übersehen hatte.

Dr. Jahr begrüßte uns sehr freundlich und zog sich mit unserer Gruppe in eine Sitzecke zurück.
Wir hatten nun eine halbe Stunde Zeit unser Anliegen vorzutragen.
Gisela machte den Anfang und trug unsere erste Forderung an die Kommission vor:

"Wir fordern die EU auf, dafür zu sorgen, dass die Europäischen Staaten ihren Verpflichtungen, menschliche und tierische Gesundheit zu schützen, nachkommen.
Wir sind der Auffassung, dass dies bisher nicht der Fall ist. Gesetzliche Vorgaben werden unterlaufen und Industrie-Interessen einseitig bevorzugt. "

Außerdem versuchte sie Dr. Jahr eindringlich deutlich zu machen, das es auch um seine Gesundheit und die seiner Familienmitglieder geht.

Ich machte auf einen weiteren wichtigen Punkt unserer Petition aufmerksam, nämlich das wir fordern, dass die Unabhängikeit der Institutionen, die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständig sind, gewahrt werden müsse.
Denn sowohl im Bundesinstitut für Risikobewertung, als auch bei der zuständigen Europäischen Organisation, der EFSA, sitzen Vertreter der chemischen Industrie in den Aufsichtsräten und im Vorstand. Also erklären diejenigen, die einen wirtschaftlichen Vorteil von der Zulassung der Pestizide haben, deren Ungefährlichkeit.

Und das möglicherweise zu Lasten unserer Gesundheit.

In Europa wird Glyphosat auch gar nicht als Unkrautvernichter eingesetzt, denn das wirkt nur bei gentechnisch verändertem Getreide oder Kartoffeln, sondern als Erntebeschleuniger.

Vorwiegend nimmt der Mensch Glyphosat durch Getreideprodukte aus Übersee in sich auf oder über den Umweg Fleisch und Milchprodukte. Denn die sogenannten Nutztiere werden mit Gen-Mais, -Getreide oder Soja gefüttert. Welche gesundheitlichen Folgen das für unsere Haustiere und auch uns Menschen haben kann, hat eine Studie der Universität Leipzig eindrucksvoll ergeben.


http://www.bund.net/aktiv_werden/aktionen/glyphosat_verbieten/kurzinfo/medienberichte/


Dr. Jahr erzählte, dass es eine Woche zuvor, eine Anhörung zum Thema Glyphosat gegeben hatte und das sowohl die Gegner als auch die Befürworter, als Beweis für die Gefährlichkeit oder eben die Ungefährlichkeit, Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien vortrugen.
Und das es deshalb schwierig für die Entscheidungsträger sei, zu beurteilen, ob Glyphosat nun schädlich ist oder nicht.

Und genau das ist ja auch Inhalt unserer Petition, dass eben mit den Tierversuchen, je nach Tierart oder Mauslinie, jedes gewünschte Ergebnis produziert werden kann und Tierversuche auch deshalb abzulehnen sind.

So hatten wir einen guten Einstieg für unser Gespräch.

Auch Dr. Andre Menache führte aus, das es einfach nicht möglich ist, die Ergebnisse von Versuchen an Ratten oder Mäusen auf Menschen zu übertragen, weil Menschen nicht einfach 70 kg Ratten sind , sondern einen völlig anderen Organismus haben. Er wies auch darauf hin, wie lange es brauchen würde, um die Menge an Chemikalien zu testen und welche Geldsummen durch die Tierversuche verschlungen werden. Seiner Überzeugung als Wissenschaftler nach, gibt es sichere alternative Methoden, die in kürzester Zeit und zu moderaten Preisen ein besseres Ergebnis bringen würden.


Bilder wie diese, müssen einfach bald der Vergangenheit angehören!








Bettina Jung führte an, dass nicht einmal bekannt ist, wie sich das Pestizid auf die Feldmäuse auswirkt, die auf den Äckern leben, geschweige denn die Auswirkungen auf uns Menschen.
Außerdem erzählte sie, dass sie Tiermedizin studiert hat und dabei gelernt hat, dass man nicht einfach einem Hund ein Medikament für Katzen geben darf und auch immer davor gewarnt wird Tieren humanmedizinische Medikamente zu verabreichen.



Alles in allem verlief das Gespräch in freundlicher Atmosphäre. Wir konnten die Übergabe dann noch fotographisch dokumentieren und Dr. Jahr versprach unsere Petition noch am selben Tag dem Ausschuss zu übergeben.

Er meinte, wir hätten gute Chancen, dass der Petitionsausschuss unser Anliegen für zulässig erklären wird.


Und dann heißt es wieder abwarten. Denn bis eine Petition behandelt wird, kann bis zu einem Jahr dauern.
Im Februar dürfen wir uns das erste Mal erkundigen.


In dieser Zeit werden wir weiter Unterstützungsunterschriften sammeln. Denn die dürfen wir später noch nachreichen.

https://www.change.org/p/den-pr%C3%A4sidenten-des-europ%C3%A4ischen-parlamentes-petition-f%C3%BCr-den-schutz-der-gesundheit-von-mensch-und-tier-vor-giftigen-substanzen-und-pestiziden?recruiter=1943878&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink




Nach der Übergabe gingen wir noch eine Kleinigkeit essen und freuten uns, das wir noch einige Zeit mit Dr.Menache verbringen konnten, bis wir uns alle auf die Heimreise machten.





Wir möchten uns bei allen Helfern bedanken, die uns bis hierher begleitet und uns durch ihre Unterschrift und das Teilen der Petition unterstützt und geholfen haben. Bitte helft uns auch weiterhin.

Besonders danken wir der MUT-Tierschutzpartei für ihre ideelle und finanzielle Unterstützung.

Dem Verein "Tierversuchsgegner BRD e.V." und allen Spendern, die dem Verein "Tierfreunde ohne Grenzen e.V." durch eine Spende über "Betterplace.org" geholfen haben.
Außerdem danken wir allen, die uns, durch ihre Übersetzungsarbeit, die internationale Verbreitung unserer Petition ermöglichten.

Tierrechtsarbeit ist nur dann wirkungsvoll möglich, wenn ganz viele Menschen den Tieren ihre Stimme geben, auf die Straße gehen oder wenn es ihnen möglich ist, sich finanziell an Aktionen beteiligen.

















Samstag, 21. November 2015

Schutz vor giftigen Chemikalien - aber ohne Tierversuche




An alle Tierschützer, Tierrechtler und Freunde der Natur.

Heute bitten wir Euch um Eure Hilfe.

Im Oktober 2013 reichten wir unsere Petition "REACH stoppen - Tierversuche abschaffen" persönlich in Brüssel ein. Am 1. April 2014 wurde diese vor dem Petitionsausschuß behandelt und für zulässig erklärt.
Am 30.04.14 erging eine Mitteilung der Kommission an die Mitglieder. Aufgrund dieser "Mitteilung der Kommission an die Mitglieder" wurde unsere Petition nach nochmaliger Anhörung am 15. April 2015 geschlossen. Die nochmalige Anhörung fand statt, da wir weitere Argumente und Fragen betreffend der REACH Verordnung aufwarfen, die uns bis heute nicht beantwortet wurden und von großem öffentlichen Interesse sind.
Die REACH Verordnung betrifft nicht nur Menschen in Europa, sondern alle Staaten, die Handel mit Europa treiben. Tausende besorgte Menschen aus aller Welt unterzeichneten unsere Petition.
Für etwa 30 000 chemische Stoffe werden Millionen Tiere zu Tode gequält. Die giftigen Substanzen werden in die Augen, auf die Haut, ins Futter oder per Magensonde oder die Blutbahn eingegeben. Die Tiere müssen giftige Dämpfe inhalieren und die schrecklichen Folgen einer Verätzung oder Vergiftung in Kurz-oder Langzeitversuchen erleiden.
Diese Tierversuche und REACH machen unsere Welt nicht sicherer. Im Gegenteil, es ist zu befürchten, dass durch die „Nicht-Übertragbarkeit“ von Tierversuchen auf andere Spezies hochgiftige Chemikalien auf dem Markt bleiben und unsere Umwelt und uns Menschen dauerhaft schädigen. Dafür sorgen Ausnahmegenehmigungen.

Der Europäischen Kommission waren unsere Forderungen zu radikal. Sie ist der Meinung, dass Tierversuche auf unabsehbare Zeit nötig sein werden.

Wir sind der Meinung, dass wir uns nicht geschlagen geben sollten und haben zusammen mit Prof. Dr. Reiss und Andre Menache ( "Stop Vivisection" ), Rainer Gaertner, (" Tierversuchsgegner BRD e.V.") , sowie Bettina Jung und Karl-Heinz Greve ( "Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz") eine neue Petition gestartet, die inzwischen über 4000 Menschen unterzeichnet haben, aber gerade jetzt in der Flut der Petitionen der Umweltverbände gegen Glyphosat, untergeht.

Wir haben bei unserer Petition diesmal den Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier in den Vordergrund gerückt, weil das bei Ablehnung der Petition den Weg zum Europäischen Gerichtshof vereinfacht, denn der Tierschutz ist im EU Recht nicht verankert, wohl aber der Schutz der Gesundheit.

Am 3. Dezember haben wir einen Termin in Brüssel, um dort unsere Petition Herrn Dr. Peter Jahr zu übergeben.

Bitte helft uns, die Petition bekannt zu machen und zu verbreiten. Bitte unterschreibt unsere Petition.

https://www.change.org/p/den-pr%C3%A4sidenten-des-europ%C3%A4ischen-parlamentes-petition-f%C3%BCr-den-schutz-der-gesundheit-von-mensch-und-tier-vor-giftigen-substanzen-und-pestiziden


Mit lieben Grüßen,

Gabriele und Gisela



Sonntag, 16. August 2015

Petition für den Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier vor giftigen Substanzen und Pestiziden


Wir bitten darum unsere neue Petition zahlreich zu unterschreiben und zu teilen. Es geht um die Gesundheit aller Menschen, um unsere Umwelt und die der Tiere.
Es geht auch darum Tierversuche durch eine moderne Wissenschaft zu ersetzen, die wirklich unserer Gesundheit und dem Fortschritt dient.

Unsere Petition wird bald auch in anderen Sprachen online gestellt, um die Reichweite und den Druck auf die Politik zu erhöhen.

https://www.change.org/p/den-pr%C3%A4sidenten-des-europ%C3%A4ischen-parlamentes-petition-f%C3%BCr-den-schutz-der-gesundheit-von-mensch-und-tier-vor-giftigen-substanzen-und-pestiziden?recruiter=1943878&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink

Petition für den Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier vor giftigen Substanzen und Pestiziden

eingereicht von:

Gisela Urban und Gabriele Menzel, Tierfreunde ohne Grenzen e.V.
Prof. Dr. Claude Reiss und Dr. Andre Menache, Antidote Europe
Bettina Jung, Bundesvorsitzende der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz - MUT
Karl-H. W. Greve, Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz - Mut
Rainer Gaertner, Tierversuchsgegner BRD e.V.


Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren des Petitionsausschusses, sehr geehrte Parlamentsabgeordnete, sehr geehrte Kommission!


1.Wir fordern die EU auf, dafür zu sorgen, dass die Europäischen Staaten ihren Verpflichtungen, menschliche und tierische Gesundheit zu schützen, nachkommen.
Wir sind der Auffassung, dass dies bisher nicht der Fall ist. Gesetzliche Vorgaben werden unterlaufen und Industrie-Interessen einseitig bevorzugt. Dies wird nachfolgend bewiesen werden.

2.Wir fordern die Europäische Kommission auf, besonders besorgniserregende Chemikalien ohne Ausnahme zu verbieten.

3.Wir fordern die Europäische Kommission auf, dafür zu sorgen, dass die Europäischen Staaten ihren Verpflichtungen, menschliche und tierische Gesundheit zu schützen, nachkommen.

4.Wir fordern die Kommission auf , dafür zu sorgen, dass Institutionen die maßgeblich durch ihre Stellungnahmen und Gutachten weitreichende Gesetze beeinflussen, die die Gesundheit aller EU Bürger, sowie die der Tiere und unsere Umwelt betreffen, unabhängig sind von der Beeinflussung von Wirtschaftsverbänden und der Industrie.

5.Wir fordern, die Prüfmethoden für Chemikalien den wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen und auf alternative intelligente Testmethoden umzustellen, anstatt sich weiter auf die Ergebnisse aus Tierversuchen zu verlassen.

Begründung

Transparenz und Unabhängigkeit sind grundlegende Aspekte der Arbeit des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR), das dem Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft zugeordnet ist. Essentiell wichtig ist eine fundierte und vertrauensvolle Risikokommunikation, so sollte es zumindest sein - ist es aber nicht!

Vielmehr sind Interessenvertreter der Firmen u.a. Evonik, Henkel AG & Co KGaA, Clariant, Beiersdorf, Bayer Pharma AG, Mitglieder des BfR ZEBET.
Deshalb ist die Unabhängigkeit des BfR infrage zu stellen, die in der Abteilung Sicherheit von Pestiziden die Aufgabe hat, die gesundheitliche Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln und Biozid-Produkten zu bewerten, die im BfR unter dem Oberbegriff Pestizide zusammengefasst werden unter Vorgaben der Richtlinie (EG) Nr. 2009/128/EG.

Somit bewerten Vertreter der Herstellerfirmen von Pestiziden selbst deren toxische Eigenschaften bei Menschen und Tieren!

Bereits bei der Bewerbung verpflichteten sich die interessierten Sachverständigen, als Kommissionsmitglied im öffentlichen Interesse unabhängig zu handeln. Eventuelle Interessenkonflikte zu in den BfR-Kommissionen behandelten Themen müssen schriftlich festgehalten werden. Dazu unterzeichnen die Mitglieder eine entsprechende Erklärung, die im Internet veröffentlicht wird. Zusätzlich werden eventuelle Interessenkonflikte zu den in der Kommission behandelten Themen zu Beginn jeder Sitzung mündlich abgefragt. Dies wird im Ergebnisprotokoll vermerkt.

Die Ergebnisprotokolle der Sitzungen, aus denen die wissenschaftliche Meinung und Beschlüsse der Kommissionen hervorgehen, werden der Öffentlichkeit über die Internetseite des BfR zugänglich gemacht. Die Beschlüsse der Kommissionen haben beratenden Charakter und fließen gegebenenfalls als wichtige Bezugspunkte in Bewertungen und Stellungnahmen des BfR ein.

Die Bewertung u.a. von diesen Vertretern der genannten Herstellerfirmen erfolgt in Form von wissenschaftlichen Stellungnahmen, Beiträgen oder Kommentierungen zu Bewertungsberichten. Auf den in der Abteilung erstellten gesundheitlichen Risikobewertungen zu den Wirkstoffen und formulierten Zubereitungen basieren Regulierungen und Maßnahmen des Risikomanagements in nationalen, europäischen und weltweiten regulatorischen Zulassungs-, Genehmigungs- und Bewertungsverfahren gemäß:

der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (PSM-VO),
der Verordnung (EG) Nr. 528/2012 über die Bereitstellung auf dem Markt und die Verwendung von Biozidprodukten (Biozid-VO),
der Verordnung (EG) 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen (RHG-VO) sowie
der Verordnung (EG) 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP-VO).

Die Forschung der Abteilung ist vorrangig auf die Unterstützung der regulatorischen Verfahren, aktuell insbesondere auf den Gebieten von „Kombinationswirkungen“ und „dermaler Absorption“, ausgerichtet.

Darüber hinaus erfolgt durch die Abteilung eine fachliche Beratung u.a. durch Vertreter von Pestizide-Herstellern der Bundesregierung bei der nationalen und europäischen Rechtsetzung zu Pestizid-Wirkstoffen, zur Zulassung der Produkte und zu den Pflanzenschutzmittel- und Biozidanwendungen.

Kein anderes Pestizid wird weltweit so oft verkauft wie Glyphosat.

IARC: "Glyphosat "wahrscheinlich" krebserregend".

Drei Stoffe - darunter das Herbizid Glyphosat und die Insektizide Malathion und Diazinon hat IARC als "wahrscheinliche" Karzinogene (Gruppe 2A) eingestuft. Darunter fallen Substanzen, die in Laborversuchen bei Tieren Krebs ausgelöst hatten und für die es bereits einige Hinweise darauf gibt, dass sie auch beim Menschen Krebs auslösten. Wenn epidemiologische Studien fehlen, es aber positive Resultate aus Tierversuchen gibt, meldet die IARC die Agentur für Krebsforschung (IARC) die Schadstoffe in der Gruppe 2B als "möglicherweise" krebserregend. So geschehen bei den Insektiziden Tetrachlorvinphos und Parathion, die zwar in den USA, nicht aber in der EU zugelassen sind.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) allerdings sieht das anders - und wertet bei seiner Einschätzung Leserbriefe von Mitarbeitern des Hersteller-Konzerns als Studien.

Das Europäische Parlament hatte 2009 eine starke Regulierung von chemischen Stoffen auf den Weg gebracht, die auf den Menschen wie Hormone wirken, sogenannten Endokrine Disruptoren. Darunter fallen z.B. eine Anzahl von Pestiziden, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
Industrieverbände laufen dagegen Sturm und warnen vor Ernteverlusten beim Verbot dieser Pestizide. Das BfR argumentiert ganz ähnlich wie die Industrie und äußert in einem Positionspapier von 2011 "große Bedenken" wegen der "bedeutenden wirtschaftlichen Folgen".
Daneben beauftragt die EU-Kommission die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Stellungnahme zum Thema zu erarbeiten. Das BfR ist eine Partnerorganisation der EFSA.
Die EFSA setzte dazu eine 18-köpfige Arbeitsgruppe ein. 8 Mitglieder haben Verbindungen zur Industrie, 3 haben bereits zu Gunsten der Industrie Stellung bezogen und nur 4 haben überhaupt wissenschaftlich zum Thema endokrine Disruptoren gearbeitet. Ergebnis der EFSA-Stellungnahme ist, dass die Substanzen wie "die meisten anderen Chemikalien" behandelt werden können.

.
In den kommenden Monaten müsste in den USA und der EU die Zulassungen für Glyphosat neu beantragt werden, die Bewertung des BfR und der EFSA sind für die Erneuerung dieser Zulassungen maßgeblich. Welche Gefahr für die menschliche und tierische Gesundheit geht vom BfR und der EFSA aus, die der Meinung sind , das Glyphosat nicht gefährlich ist.

Problematisch ist dabei, dass im BfR-Komitee zu Pestiziden mehrere Mitarbeiter von BASF und Bayer sitzen. Die wissenschaftliche Unabhängigkeit derer, die von einer Zulassung von Glyphosat profitieren, ist äußerst fragwürdig. Gleiches gilt für die EFSA, wo 59% der Mitarbeiter laut einem Bericht der Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) Verbindungen zur Landwirtschafts-/Lebensmittelindustrie haben. Sowohl EFSA als auch das BfR wurden in der Vergangenheit für ihre fragwürdige Besetzung von Schlüsselpositionen in Expertengruppen kritisiert.
Es ist schockierend, dass für Toxikologie-Tests noch immer Tierversuche herangezogen werden, anstatt Toxicogenomik und menschliche Zellen oder in-vitro-Assay und intelligente kombinierte Teststrategien. Außerdem gibt es zahlreiche wissenschaftliche Alternativmethoden statt Tierversuche.


1.Die VERORDNUNG (EG) Nr. 1907/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), erwähnt Toxicogenomik ausdrücklich als Alternativmethode im Absatz 40:
(40) Die Kommission, die Mitgliedstaaten, die Industrie und die anderen Beteiligten sollten weiterhin auf internationaler und nationaler Ebene einen Beitrag zur Förderung alternativer Prüfmethoden leisten, einschließlich computergestützter Methoden, geignete In-vitro-Methoden und auf der Toxikogenomik beruhender Methoden.
Die gemeinschaftliche Strategie zur Förderung alternativer Prüfmethoden ist ein vorrangiges Anliegen, und die Kommission sollte sicherstellen, dass sie dies im Rahmen ihrer künftigen Forschungsrahmenprogramme und -initiativen, wie dem Aktionsplan der Gemeinschaft für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren von 2006-2010 weiterführt.
Dabei sollten die Einbeziehung der Interessenvertreter und Initiativen, an denen sich alle interessierten Parteien beteiligen können, angestrebt werden.
Antidote Europe hat diese Methode in 2004 und 2005 erfolgreich durchgeführt. 30 Chemikalien wurden an menschlichen Zellkulturen getestet. Jedes Experiment wurde zwecks Bestätigung verdoppelt. Die genetischen Zellveränderungen, ausgelöst durch die Chemikalien, beweisen dem erfahrenen Wissenschaftler, dass diese Veränderungen die Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Alzheimer einleiten.
.
In den USA werden mit dieser Methode etwa 100 Substanzen täglich mittels robotisierten Anlagen auf Toxizität überprüft. Die EC hat jedoch diese Methode für REACH als nicht validiert abgelehnt. Aber auch Tierexperimente wurden niemals validiert. Obwohl die Resultate für Menschen gelten, und die Methode hundertfach schneller und hundertfach billiger ist als Nagetierexperimente.

Tierexperimente sind natürlich für die Industrie vorteilhaft, da es dadurch leicht zu beweisen ist, dass eine Substanz z.B. nicht krebserregend ist oder keine Hormonaktivität aufweist.
Dazu wäre es ausreichend, die Substanz an der Mauslinie C57Bl (widersteht gut den Krebserregern) oder an der Mauslinie CD-1 (widersteht gut weiblichen Hormonen) zu testen, während die Mauslinie C3H hundertfach empfindlicher für die Entstehung von Krebs ist.
Mit der Mauslinie C57BL/6J könnte man wiederum sehr gut beweisen das dieselbe Substanz sehr krebserregend ist und hundertfach verstärkte weibliche Hormonaktivität aufweist.
Es gibt tausende bekannte Nagetierlinien, die es Toxikologen erlauben, eine Substanz als ungefährlich zu erklären und damit die Erlaubnis für dessen Verkauf zu erhalten.

Das wäre mit Toxikogenomik nicht möglich: Die Gene in den Zellen können nicht lügen!

Tierexperimente sind also nicht nur grausam, sondern auch eine Gelegenheit für immensen Schwindel, zum Nachteil von Millionen Verbraucher welche sich später fragen, woher ihr Krebs, ihr Alzheimer, ihre Diabetes kommen.
Natürlich ist die Industrie dann nicht dafür verantwortlich, da die Prüfung der Toxizität gesetzmäßig ausgeführt wurde.

Im Oktober 2013 reichten wir unsere Petition 1833/2013" zu Tierversuchen und der REACH Verordnung persönlich in Brüssel ein. Am 1. April 2014 wurde diese vor dem Petitionsausschuss behandelt und für zulässig erklärt.

Am 30.04.14 erging eine Mitteilung der Kommission an die Mitglieder. Aufgrund dieser "Mitteilung der Kommission an die Mitglieder" wurde unsere Petition, nach nochmaliger Anhörung, am 15. April 2015 geschlossen.

Die nochmalige Anhörung fand statt, da wir weitere Argumente und Fragen betreffend der REACH-Verordnung aufwarfen, die uns bis heute nicht beantwortet wurden und von großem öffentlichen Interesse sind.

Bei der Stellungnahme der EU Kommission vom 30.04.2014 wurden folgende Punkte nicht kommentiert:

Angeblich sorgt die REACH-Verordnung für den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt.

Unsere Frage war: "Werden hier die hier die Bürger in einer trügerischen Sicherheit gehalten?"

Denn in Wirklichkeit bleiben die giftigen, fruchtschädigenden, krebserregenden Stoffe mit einem Sicherheitsdatenblatt und einem Schwellenwert versehen, trotzdem auf dem Markt.

Und selbst die „besonders besorgniserregenden Chemikalien“ werden zugelassen:

…wenn der Hersteller nachweist, dass er die Gefahr kontrollieren kann
…wenn es zu dem Produkt keine ungefährliche Alternative gibt
…wenn der sozio-ökonomische Nutzen die Risiken überwiegt
…mit Ausnahmegenehmigung

Wenn REACH der Garant für den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt sein soll, wie ist es dann möglich, dass in der REACH-Verordnung besonders besorgniserregende Stoffe mit Ausnahmegenehmigungen auf dem Markt bleiben dürfen, z.B. aus sozio-ökonomischen Gründen?

Besonders besorgniserregende Stoffe tragen die Kriterien:

karzinogen, mutagen, reproduktionstoxisch, teratogen, persistent, bioakkumulativ und toxisch.

Wird hier aus wirtschaftlichen Gründen leichtfertig mit dem Leben und der Gesundheit der EU-Bürger umgegangen?

Der deutsche Umweltverband BUND ließ jetzt stichprobenhaft neun Kinderspielzeuge auf Chemikalien untersuchen. Fazit: Fast alle sind belastet!
Neben fortpflanzungsschädigenden Weichmachern wiesen die Spielsachen nervenschädliches Toluol, krebsfördernde polyzyklische aromatische Verbindungen und das hormonell wirksame Nonyphenol auf.

In der Zeitung Le Monde stand am 06.07.15 der Artikel " Pourquoi la dette allemande surpasse la dette grecque" in dem der Kostenaufwand innerhalb der EU für durch Chemikalien hervorgerufene Erkrankungen nämlich Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane, Krebs, Übergewicht, Diabetes und Neurodegeneration jährlich 157 Milliarden Euro beträgt.
Die Endokrine Gesellschaft (Endocrine Society) berichtet am 26.02.15 auf der Internetplattform Science Daily: "Chemikalien, die als Endokrine Disruptoren wirken (EDZ), lösen gesundheitliche Störungen und eine Reihe von Krankheiten bei Menschen in der EU aus, die auf jährlich 150 - 260 Milliarden Euro geschätzt werden.

Quelle: Endocrine Society's Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism.


Haupterzeuger der Chemikalien: Die Chemische Industrie, die gleichzeitig Firmen unterhält zur Herstellung von Arzneimitteln und ihre Vertreter in den Kommissionen des BfR und der EFSA platziert hat.
Ironisch angemerkt : Heilmittel für Krankheiten die sie offensichtlich selbst verursacht.
Ein ideales Geschäft.


Mit freundlichen Grüßen

Gisela Urban
Gabriele Menzel
Prof. Dr. Claude Reiss
Dr. Andre Menache
Rainer Gaertner
Bettina Jung
Karl Heinz Greve


Quellennachweis und Anlagen:

1. Artikel aus "Zeit Online" vom 29.7.15
Ein Stapel an Beweisen spricht gegen Glyphosat

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-07/glyphosat-krebs-herbizid-landwirtschaft

2. Glyphosat tötet gesundheitsfördernde Bakterien ab (arte)
Rätselhafte Erkrankungen bei Kühen und schwere Mißbildungen bei neugeborenen Ferkeln - Untersuchungen der Universität Leipzig

https://www.youtube.com/watch?v=rpZmev9z-Gk

3. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-um-glyphosat-wenn-leserbriefe-von-monsanto-als-studien-gelten-1.2570374

4. https://www.lobbycontrol.de/2015/06/efsa-bfr-gefaehrden-unsere-gesundheit-zugunsten-der-industrie/

5. New robot system to test 10,000 chemicals for toxicity

http://www.nih.gov/news/health/mar2011/niehs-10.htm

6. BUND-Spielzeugtest zeigt: zu viele Gifte in Kinderspielzeug

https://www.bund.net/index.php?id=22526

7. Der Artikel " Pourquoi la dette allemande surpasse la dette grecque" ( Le Monde vom 06.07.15)

8. Exposure to endocrine-disrupting chemicals costs EU billions annually

http://www.sciencedaily.com/releases/2015/02/150226084425.htm